Die Crossfit-Sache oder: Anderthalb Jahre Nordlicht

Vor knapp anderthalb Jahren kam ich in die Crossfit-Box, weil ich vorhatte, statt der eintönigen und immer gleichen Übungsausführungen an den Geräten im Studio mal etwas Neues zu probieren.
Ich hatte immer Sport gemacht und suchte eigentlich nur einen Fitnessstudio-Ersatz, bei dem ich meine Ziele erreichen könnte – moderaten Muskelaufbau und damit verbundener Entlastung der geschundenen Kniegelenke und die Möglichkeit, mich auszupowern, denn ohne geht nicht.
Außerdem passte es mir ganz gut, eine Fitness-Location zu finden in der Gegend, in die ich dann ein paar Monate später umziehen würde. Neue Leute kennenlernen und so. Jörn als alten Schulfreund kannte ich ja schon mal. Da war der erste Schritt schnell getan.

Bei meiner ersten basic class überraschte mich die Offenheit der anderen Athleten. Ich wurde per Handschlag begrüßt und kam schnell ins Gespräch. Das ist vielleicht ein Unterschied zu manchen typischen Vereinsstrukturen. Später fiel mir noch etwas anderes besonders auf: Ich hatte von der ersten Minute an das Gefühl, respektiert zu werden. Scheinbar allein schon dafür, in die Box gekommen zu sein (und unfallfrei vor dem Whiteboard stehen zu können). Keine Überheblichkeit oder Geringschätzung von den erfahren Jungs und Mädels,  sondern anfeuern, motivieren, loben, helfen, Tipps geben. „Lass dein Ego vor der Tür“ ist ja auch eine der Regeln, die ich später auf einem Schild über der Toilette gelesen habe. Jeder hat mal klein angefangen. Alle wissen das. Jeder macht das, was er kann, seinem Leistungsstand entsprechend. Aber dennoch gemeinsam mit den anderen.

Kommen wir dazu, was ich von Crossfit habe. Liste gefällig? Bitteschön:

  • Ich stelle mich leichter neuen Herausforderungen. Es gibt kein „das kann ich nicht“ (na gut, vielleicht einen klitzekleinen Moment, hin und wieder mal). Höchstens ein „ich kann das jetzt noch nicht“.
  • Ich kann mich auspowern (oooh ja…!). Ich habe ein sehr umfassendes und abwechslungsreiches Fitnessprogramm in kurzer Zeit (keine Stunde nach meiner Ankunft in der Box bin ich bereits so im Eimer, dass ich mich frage, wie manche noch Zusatzworkouts machen können).
  • Neue Freunde und Kontakte. That’s true, no Fake News.
  • Ich ernähre mich bewusster: Crossfit muss ja nicht nur eine Fitnessmethode sein – wenn man will, ist es noch viel mehr.
  • Ich habe Spaß.
  • Ich habe einen Knall (sagen Freunde, die kein Crossfit machen und hören, was ich mir so an Workouts antue).

Jeder kann sich seine Ziele selber stecken. Ich für mich strebe keine große Crossfit-Karriere an. Ich möchte mich nur fit halten, langsam aber stetig besser werden und Spaß haben.

Ich kann noch keine double unders. Und handstand walk. Und muscle up.
Aber irgendwie schaut man viel zu selten auf das, was man schon geschafft hat: Neue Fähigkeiten, bessere Fitness, höhere Gewichte und die tolle Erfahrung, einen ganzen Haufen netter, neuer Leute kennenzulernen.

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